Schatzsuche in Island

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Auf den Spuren eines Lanz-Landbaumotor

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Unser Clubmitglied Hans Heinrich Hack (Hacky) und technischer Referent
berichtet von einem abenteuerlichen „Ausritt“ mit seiner Cross-Maschine
nach Island im Sommer 2011.Die Insel macht immer wieder Schlagzeilen mit Vulkanausbrüchen, deren Ascheregen schon mal die Flieger ans Rollfeld fesselt. Aus diesem Grunde haben wohl auch Hacky und sein Begleiter Daniel den erholsamen Seeweg mit einer Fähre (Start in Dänemark ) gewählt, um sich in „geheimer Mission“ einer historischen Legende aus dem Hause Lanz zu nähern. Vorausgegangen war ein Anschreiben anden LBCH aus Island (vor ca. 15 Jahren), worin ein auf der Insel befindlicher Landbaumotor gegen einen restaurierten Glühkopfmotor zum Tausch angeboten wurde.Schatzsuche2 Es sollte eine Kommission über diesen Deal befinden – die Sache ist dann wohl eingeschlafen und nicht weiter verfolgt worden. Zufällig wurde Hacky anlässlich eines Besuches in Norwegen (Museum der Gebr. Backedal) mit dem alten Vorgang

konfrontiert – allein Nico Wilken (wem sonst …) war der Standort bekannt und gab die „ungefähren“ Längen- und Breitengrade des vermuteten Standortes auf der Insel an Hacky weiter, mit dem Hinweis: „Der ist aber unverkäuflich“. Augenblicklich bekam Hacky „Reisefieber“ und machte sich nach einer kurzen Vorplanung auf den Weg – der ja bekanntlich das Ziel ist, nicht ahnend, dass er der auserwählte Prinz war, den Landbaumotor aus einem langen Dornröschenschlaf für unseren Club wachzuküssen…

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Atemberaubende Landschaften, karge
Aschefelder, schroffe Küsten und sprudelnde Warmwasserquellen eröffneten sich den Motorrad-Piloten bilderbuchhaft auf der Insel. Abschmelzender Gletscher, Wasserfälle mit beeindruckender Fallhöhe sowie eine besondere Tier- und Pflanzenwelt, faszinierende Eindrücke, die auch eine Kamera nicht annähernd erfassen kann.Schatzsuche4 An besonderen Plätzen wurde auch längere Rast für den Tag und die Nacht im Campingzelt neben dem Motorrad eingelegt. Aber die Jungs hatten ja einen „Suchauftrag“. Mit ihren Maschinen ging es über die berühmte Ringstraße von Reykjavik immer an der Küste entlang in die Nähe von Borganes, wo das edle Teil aus Mannheim vermutet wurde. Nach aufwändigen Erkundungen wurde sie schließlich an eine landwirtschaftliche Hochschule verwiesen, die auch über
eine kleine Sammlung landwirtschaftlicher Geräte und Maschinen verfügen sollte. Von einem besonderen Traktor hatte niemand eine Ahnung, zumal auch die Verständigung schwierig war. An besagtem Ort fand sich dann auch ein kleines Museum, dessen Öffnung an diesem Tag – laut Hinweis am Eingang – erst am Nachmittag erfolgen sollte; das gesuchte Objekt war an diesem Ort weder zu erspähen noch zu vermuten.Schatzsuche5

Also wurde mehrfach geklingelt und das Gelände erfolglos umrundet. Im Begriff, die Suche an einem anderen Ort fortzusetzten erspähte Hacky einen hinter dem Hauptgebäude unscheinbaren „versteckt“ halboffenen Blechschuppen … Der zugängliche und unverschlossene Raum entpuppte sich tatsächlich als die gesuchte Schatzkammer mit dem leibhaftigen Erlkönig aus Mannheim – Bingo!!! Die Jungs fühlten sich wie die Entdecker eines Pharaonengrabes im „Tal der Könige“ im alten Ägypten. Ehrfurchtsvoll und mit einem erhabenen Gefühl konnte der Fund nun ausführlich begutachtet, untersucht, betastet, berochen und auf die Linse gebannt werden – auch die Leserinnen und Leser des Pioniers mögen sich an den authentischen Aufnahmen berauschen …Schatzsuche6 

Auf dem Höhepunkt der Reise wurde definitiv der legendäre Landbaumotor DM in der Sonderversion als Heidemaschine (LDH) ausgegraben, der in acht Exemplaren nach Island zur Kultivierung von Heideflächen ausgeführt worden sein soll. Die vermutlich einzig überlebende Maschine hier befindet sich in einem komplett restaurierbaren Originalzustand mit Moorrädern, Hauenwelle und Blechverkleidung und einer äußerlichen Ovatrol-Konservierung. Zustand von Motor und Getriebe sind nicht zu beurteilen – Kolben und Welle bestimmt fest.Schatzsuche7 Die Mutmaßungen über eine mögliche Reanimation stehen hier auch nicht zur Diskussion – entscheidend ist die Präsenz einer überlebenden historischen
Maschine aus dem Jahre 1921, in welchem Huber den 12 PS Bulldog erschuf. Es existieren somit weltweit noch zwei bekannte Landbaumotor-Maschinen (der Typ LCM befindet sich im Museum John Deere in Mannheim). Auf einer isländischen Briefmarke hat sich der Landbaumotor auch numismatisch verewigt. Dieser „Scheunenfund“ auf Island ist mit einem Lanz Vierzylinder-Viertakt-Vergasermotor für Benzin und Benzolbetrieb, mit Bosch Magnetzündung und Pallas-Vergaser ausgestattet. Schatzsuche8Der Hubraum beträgt 14.137 cm3 (!) – die Leistung 80 PS bei einer Drehzahl von ca. 800 U/min. Diese letzte Version des Landbaumotors verfügte bereits über eine modifizierte Motorvariante mit Aluminiumkolben so - wie den markanten Kühlerelementen vor
dem Motor, hinter welchen sich der Lüfterantrieb befand. Die Maschine konnte mit einem Bosch-Anlasser gestartet werden.
Die Karosserie entsprach dem Aussehen zeitgenössischer Traktoren, viele Merkmale der Heereszugmaschine waren in die Konstruktion eingeflossen. Der Bolide wiegt fast 6 Tonnen. Der Konstruktion zugrunde liegt eine von Lanz erworbene Lizenz über den Landbaumotor Köszegi (ungarisches Patent).Schatzsuche9

Nach diesem Adrenalin-Ritt stellte sich das Moto-Cross-Team während der fortgesetzten
Exkursion auf der Insel weiteren Abenteuern, z.B. einem plötzlichen Abbruch der Ringstraße ins Meer über eine Distanz von 120 Metern! Die Ausweichstrecke über eine Hochlandpiste stellte die Abenteurer vor weitere fahrerische und physische Herausforderungen, die alle überwiegend erfolgreich gemeistert wurden. Unglaublich …. in einem Museum auf der Insel entdeckte Hacky ein Veteranenfeuerwehrfahrzeug aus seinem Heimatort Hoisdorf – wie ist die Welt doch klein und steckt voller unermesslicher Geheimnisse.
W.W.

 

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